Ratgeber
Solaranlage ausrichten: Verschattung und Sonnenstand prüfen
Ein einziger Schatten auf einem Modul kann den Ertrag um 30 bis 50 Prozent senken. Dieser Ratgeber zeigt, wie du mit dem Sonnenbogen und der Schattenansicht von ShadowFinder den Platz für Dach-, Garten- oder Balkonmodule findest, an dem sie ungestört Licht bekommen.
Direkt ausprobieren — am geplanten Montageort:
Sonnenstand jetzt für deinen Standort berechnenWarum Verschattung bei Solar so teuer ist
Anders als Gartenpflanzen vertragen Solarzellen keinen Halbschatten: Sie sind in Reihe geschaltet, und eine verschattete Zelle wirkt wie ein Flaschenhals für den ganzen Strang. Eine Schattenanalyse hilft dir:
- Den Sonnenverlauf über Dach, Balkon oder Freifläche für das ganze Jahr zu erfassen.
- Hindernisse wie Kamin, Baum oder Nachbargebäude zu erkennen, bevor sie Ertrag kosten.
- Neigung und Reihenabstand so zu planen, dass sich die Modulreihen bei tiefer Wintersonne nicht gegenseitig beschatten.
- Laden der Batterie und grosse Verbraucher auf die Stunden mit sicherer Direktsonne zu legen.
Schritt 1 — Standort erfassen
Öffne ShadowFinder am geplanten Montageort und erlaube den Standortzugriff. Der Sonnenbogen wird für deine genauen Koordinaten gezeichnet, mit Sonnenaufgang, Stundenpositionen und Sonnenuntergang des heutigen Tages.
Schritt 2 — Den Tagesverlauf abfahren
Ziehe die Sonne dem Bogen entlang und beobachte, wie sich der Schatten dreht und streckt. Achte besonders auf diese drei Zeitfenster:
- Morgen (8–10 Uhr): Hindernisse im Osten und frühe Verschattung durch Bäume oder Gebäude.
- Mittag (ca. 12–13 Uhr): die ertragsstärkste Zeit — schon ein Kaminschatten kostet hier spürbar.
- Nachmittag (14–16 Uhr): Bäume und Zäune im Westen werfen im Sommer lange Schatten, genau in der Zeit mit hohem Stromverbrauch.
Schritt 3 — Saisonale Verschattung prüfen
- Sommersonnenwende (Juni): kürzeste Schatten, höchster Sonnenbogen — gut als Bestwert.
- Tagundnachtgleiche (März / September): mittlerer Bogen, ausgeglichene Tageslänge — gut für den Durchschnitt.
- Wintersonnenwende (Dezember): flachste Sonne, längste Schatten — zeigt den ungünstigsten Fall.
Ist eine Stelle zur Wintersonnenwende frei, bleibt sie das ganze Jahr über brauchbar. Ist sie im Winter verschattet und im Sommer frei, plane sie als saisonale Ergänzung ein.
Praxistipps
- Fotografiere Dach oder Freifläche an einem klaren Wintertag um 9, 12 und 15 Uhr als dauerhafte Referenz.
- Richte die Module auf der Nordhalbkugel innerhalb von etwa 30 Grad nach Süden aus.
- Nutze eine verstellbare Halterung: im Winter steiler, im Sommer flacher.
- Miss nach Bauarbeiten, Baumwachstum oder neuen Aufbauten in der Nachbarschaft erneut.
- Bei unvermeidbarer Teilverschattung helfen Mikro-Wechselrichter oder Leistungsoptimierer.
Häufige Fragen
Wie stark senkt ein Schatten den Ertrag einer Solaranlage?
Schon ein kleiner Schatten auf einem einzelnen Modul kann den Ertrag eines ganzen Strangs um 30 bis 50 Prozent senken, weil die Zellen in Reihe geschaltet sind. Deshalb lohnt es sich, den Schattenwurf vor der Montage genau zu prüfen.
In welche Richtung sollen Solarmodule zeigen?
Auf der Nordhalbkugel bringt eine Ausrichtung nach Süden den höchsten Jahresertrag; Abweichungen bis rund 30 Grad nach Osten oder Westen kosten nur wenige Prozent. Ost-West-Anlagen liefern dafür gleichmässiger über den Tag verteilt.
Warum muss ich die Verschattung im Winter prüfen?
Im Dezember steht die Sonne am flachsten, die Schatten von Kamin, Baum oder Nachbarhaus sind zwei- bis dreimal so lang wie im Juni. Ein Platz, der zur Wintersonnenwende frei ist, bleibt praktisch das ganze Jahr frei.
Welcher Reihenabstand verhindert gegenseitige Verschattung?
Als Faustregel gilt ein Reihenabstand von mindestens dem 2,5-Fachen der Modulhöhe bei 30 bis 50 Grad Breite und dem 3-Fachen ab 50 Grad. Prüfe zusätzlich den längsten Schatten der vorderen Reihe zur Wintersonnenwende und rechne 20 Prozent Reserve dazu.
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